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Kleinere Partner, die den Chemiesektor aufmerksam verfolgen, dürften in letzter Zeit einen starken Preisanstieg in der Chemieindustrie bemerkt haben. Was sind die realistischen Gründe für diesen Preisanstieg?

(1) Nachfrageseitig betrachtet: Die chemische Industrie, eine prozyklische Branche, erlebte nach der Pandemie mit der umfassenden Wiederaufnahme von Arbeit und Produktion in allen Branchen und der vollständigen Erholung der chinesischen Makroökonomie einen starken Aufschwung. Dies trieb das Wachstum vorgelagerter Rohstoffe wie z. B. viskose Stapelfasern, Spandex, Ethylenglykol, MDI usw. an. [Prozyklische Branchen sind Branchen, die dem Konjunkturzyklus folgen. In wirtschaftlichen Boomphasen erzielen sie hohe Gewinne, in Rezessionsphasen sinken diese Gewinne. Die Branchengewinne unterliegen somit ständigen Schwankungen im Konjunkturzyklus.]

(2) Auf der Angebotsseite könnte der Preisanstieg durch die extreme Kälte in den USA beeinflusst worden sein: Die USA wurden in den letzten Tagen von zwei starken Kälteperioden heimgesucht, und die Ölpreise stiegen aufgrund von Meldungen über massive Störungen in der Öl- und Gasförderung, -verarbeitung und im Handel im Energiestaat Texas. Dies hat nicht nur weitreichende Auswirkungen auf die US-amerikanische Öl- und Gasindustrie, sondern führt auch dazu, dass die stillgelegten Felder und Raffinerien länger brauchen, um wieder in Betrieb zu gehen.

(3) Aus Branchensicht werden Produktion und Versorgung mit Rohstoffen für chemische Produkte im Wesentlichen von führenden Unternehmen mit hohen Markteintrittsbarrieren kontrolliert. Diese hohen Markteintrittsbarrieren schützen die Unternehmen der Branche und führen zu einem starken Anstieg der Rohstoffpreise. Zudem ist die Verhandlungsmacht der nachgelagerten Unternehmen gering, wodurch eine wirksame Zusammenarbeit zur Begrenzung des Preisanstiegs unmöglich wird.

(4) Nach einem Jahr der Erholung hat der internationale Ölpreis wieder den Höchststand von 65 US-Dollar pro Barrel erreicht, und der Preis wird aufgrund niedrigerer Lagerbestände und höherer Grenzkosten für die Wiederaufnahme der vorgelagerten Produktionsaktivitäten schneller und rascher steigen.


Veröffentlichungsdatum: 19. Mai 2021